Der April macht was ich will

Ein gleißend-grauer Himmel öffnet sich, meinen Gang antreibend mit einer Armee aus funkelnden Tropfen. Kalt und weich stellen sich leuchtende Rapsfelder vor, hinter meinen wasserbenetzten Wimpern verschwimmen sie sich. Ein Marsch, eine Mission, vieles verweilt im Kleinen, unscheinbar, weil ungezählt. Alles will gesehen werden. Eine Reise, eine Entdeckung, alles führt zurück zum Selbstverständnis.

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Sonntag mit sechs Ticks

Wenn sich sonntagmorgens das Eichhörnchen nicht blicken lässt, der Junior beim Training schuftet und der Mann noch in seinem verdienten Ausschlafmodus befindet, alles Wichtige erledigt und das Wetter einfach zu bäh für einen Spaziergang erscheint – ist der rechte Moment für eine oder mehrere Tassen Kaffee und Kuscheldecke mit obligatorischem Katzentopping gekommen.

Zu meiner Linken eine Straßenzeitung.
Eine Leihgabe von der Dame, die ich nun seit bald 9 Monaten hospizlich begleite und die mir schon sehr ans Herz gewachsen ist. Einige Ausgaben der Zeitung waren ihr aus der alten Heimat ins Seniorenheim geschickt worden; die von allen als liebevolle Ü90erin geschätzte Frau L. hatte sie vor über 15 Jahren mitgegründet. Überhaupt war sie viele Jahre und bis weit in ihren 80ern hinein hauptehrenamtlich tätig gewesen. Mit unverfälschter Wärme und Güte ist sie vor allem auch dem Pflegepersonal eine ungeahnte Bereicherung. Ein trotz aller Widrigkeiten lebensfroher Mensch voller Geschichten aus vergangenen Tagen, darunter unzählige als Leiterin der Bahnhofsmission, die berühren und zum nochmaligen Nachdenken anregen. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch, bei dem wir sicherlich die von mir in einem Rutsch durchgelesene Zeitungsausgabe besprechen werden.

Mit einem leisen Lächeln wärme ich mich an der Kaffeetasse und dem wohligen Anblick der auf meinem Schoß zusammen gerollten Katze.
Der sanfte Riese auf der Armlehne zu meiner Rechten gähnt einmal ganz groß und kommentiert dies anschließend mit einem derart liebsäuselnden „Miau“, das nicht so recht zu seiner imposanten Erscheinung passen will.

Nach Musik ist mir gerade nicht, aber noch etwas Schönes zur Untermalung… ein Tierfilm vielleicht? Nein, das würde den Riesen neben mir nur zur Jagd aufscheuchen. Nachvollziehbarer Weise weiß er nicht, dass Hirsch & Co. realer Größe den Fernsehrahmen sprengen würden. Ich wage mich also an das Fernsehprogramm und lande prompt bei einer Dokumentation, die mich von der ersten Sekunde an fasziniert.

Der ARTE-Film von Julia Benkert zeigt sechs Menschen, die ihren wortwörtlichen Tick zur Kunst gemacht haben. Mit dabei ist auch die Art-Transmitter-Künstlerin Inga Moijson aus Belgien, deren Werke mit Verstörungspotenzial es schaffen, mich auf eigentümliche Weise gefangen zu halten.

Zwecks näheren Einblicks möchte ich untenstehende Links empfehlen. Mein Tag war mit dieser Sendung jedenfalls vollkommen. Denn Entdeckungen sowie die Möglichkeit, neues (er)lernen zu können bilden den größten Antrieb, wodurch mein persönlicher Inspirationsfluss nie versiegt.

In diesem Sinne wünsche ich eine tägliche Portion Faszination. Vielleicht leistet „Der Tick als Kunst“ einen heutigen Beitrag dazu.

Eine Beschreibung:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/lido/tick-als-kunst-100.html

und das Video dazu:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=56472

Getriggert

Es entbrannte einmal eine Diskussion zu Triggerwarnungen, welche zunehmend inflationär eingesetzt wurden. Der Annahme, dass dies aus einem wachsenden Gefühl der Unsicherheit geschieht, setze ich meine persönliche Auffassung entgegen, dass die Gesellschaft in Sachen Verständnis und Mitgefühl einfach vieles dazu gelernt hat. Natürlich ist es schwer möglich, hinsichtlich jeder individuellen Befindlichkeit immer Rücksicht zu nehmen. Doch wenn uns die Menschheitsgeschichte eines lehrt, dann dass wir uns in einer ständigen Übungsphase befinden.

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Die Besinnlichkeit und eine Bilanz

Anfang der Neunziger hatte ich das erste Jahr hinter mich gebracht und meine Sprachkenntnisse etwas vertieft. Allmählich gewöhnte ich mir an, zuhause deutsch zu sprechen. Es nützte ja nichts.

Ich fügte mich in mir noch fremd gebliebene Traditionen ein, schob mich mit einer Laterne durch eine Masse Großgewachsener, die mir den Blick versperrten. Damals verwechselte ich noch gelb mit Geld, als Eselsbrücke war mir das bekannte Gold dienlich gewesen. Auch sagte ich nicht mehr Ballspiel, wenn das Beispiel gefragt war.
Dass ich die auf Knopfdruck Verrücktgewordenen in ihren bunt geschmückten Wagen „Kamele“ entgegen zu rufen hatte, sollte nicht dazu beitragen, dass aus mir ein Karnevalist wurde.

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